Meine Seele soll jubeln über meinen Gott, denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, heißt es im Buch des Propheten Jesaja (Jes 64,10), einer der Schlüsselstellen zum Verständnis der liturgischen Gewandung.
Wie die Kunst, wie die einzelnen Handlungen des Gottesdienstes, so beinhaltet auch die gottesdienstliche Kleidung eine tiefe, aussagekräftige Symbolik. Die besondere Festlichkeit der Kleidung ist Ausdruck des Heilswillens Gottes für den Menschen. Die besondere Qualität der liturgischen Gewandung entspricht dem Gottesdienst als der Ur- und Grundform des Festes.
Schon das Buch Exodus im Alten Testament verlangt eine besondere Gewandung für die Priester, heilige Gewänder (Ex 28,6; 31,10) werden sie genannt. Ausdrücklich wird gefordert, dass es kunstvolle Gewänder sind. Sachverständige, die mit dem Geist der Weisheit Gottes erfüllt sind (Ex 28,3), sollen sie in Kunstwebearbeit (Ex 28,6) und in untwirkerarbeit (Ex 28,39) aus kostbaren Materialien wie Gold, Purpur u.a. herstellen.
Nach der Bildsprache des Neuen Testamentes wiederum macht die liturgische Kleidung sichtbar, dass jeder Glaubende und Getaufte, repräsentiert im Priesteramt, ein neues Gewand angelegt hat, dass er Christus (Gal 3,27) und damit den neuen Menschen, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist, angezogen hat (Eph 4,24).
Aus der Vielfalt der möglichen theologischen und symbolischen Kleidung sei schließlich eigens auf die Aussagen des Apostels Paulus im 2. Korintherbrief hingewiesen. Im gegenwärtigen Zustand, schreibt Paulus, sehnen wir uns danach, überkleidet zu werden vom himmlischen Haus. Wir möchten nicht entkleidet, sondern überkleidet werden, damit das Sterbliche vom Leben verschlungen werde (2 Kor 5,2-4).
Wolfgang Urban, Diözesanmuseum Rottenburg
